Unser neues Bedezimmer

Es ist erstaunlich, welche unterschiedlichen Funktionen ein und dasselbe Zimmer im Laufe der Jahre haben kann. Erstaunlich auch, was am Ende daraus wurde und vor allem, wie lange es gedauert hat.

Als unser drittes Kind 1988 auf die Welt kam, fragten wir meine Schwiegermutter, ob sie uns die kleine Kammer, die sie noch als Abstellraum nutzten, überlassen könnten für ein Kinderzimmer. Sie meinte, dass wir uns dort ein schönes großes Bad einrichten könnten. Bis dahin badeten wir Freitags in ihrem Bad. Danach immer durch das kalte Treppenhaus zu müssen, war auch nicht sehr angenehm. Aber noch dringender brauchten wir ein zweites Kinderzimmer. Eine Zeit lang schliefen sogar alle drei Kinder in dieser Kammer.

Als nach dem Fall der Mauer die Baumärkte wie Pilze aus dem Boden schossen, bauten wir in unsre Abstellkammer eine Dusche und ein Waschbecken ein. Dieser Raum war nur 1,1 m² groß und es entstand das wahrscheinlich kleinste Badezimmer weit und breit. Aber es war unser eigenes und es blieb ganze 30 Jahre so.

2006 bauten wir die Wohnung meiner Schwiegereltern um (beide lebten leider nicht mehr). Dort zog unser ältester Sohn ein. Im Zuge der Baumaßnahmen legten wir Wasserleitungen und Abflußrohre hinauf in die bis dahin als Kinderzimmer genutzte Kammer. Da ahnten wir noch nicht, dass es weitere 16 Jahre dauern sollte, bis der Plan, aus der Kammer ein Badezimmer zu machen, endlich Gestalt annahm. Erst einmal wurde daraus ein Gästezimmer mit Schlafcouch, dann ein Spielzimmer und am Ende sogar ein Esszimmer, mit sechseinhalb Quadratmetern wohl auch das kleinste weit und breit. Bei Familienfeiern fanden hier tatsächlich 14 Personen Platz am Tisch.

2017 zog auch unser ältester Sohn aus. In den frei gewordenen Räumen fanden Esszimmer und zwei Gästezimmer Platz. Trotzdem gingen noch weitere zwei Jahre ins Land. Und dann kam Corona. 2020 besuchten wir Badausstellungen und Möbelhäuser. Wir stöberten in Baumärkten. Und das alles stets mit "Mund- und Nasenbedeckung". Ja, das stand wirklich so in der Coronaschutz-Verordnung.

Früher wäre man verhaftet worden, hätte man maskiert eine Bank oder ein Geschäft betreten. In diesen Tagen kam man ohne gar nicht mehr rein.

Das Ende vom Lied war aber ernüchternd, denn wir fanden nirgends das, was unseren Vorstellungen entsprochen hätte. Also ab an den Computer und die Suchmaschinen bemühen. Hier wurden wir fündig. Badewanne, Heizkörper, Waschbecken, Armaturen und Spiegelschrank - alles online bestellt und per Spedition geliefert. Im Schuppen liegen jetzt die Transportpaletten, zu denen mir bestimmt noch was einfällt.

Schwieriger war es mit den Möbeln. Aber wir profitierten davon, dass bei uns selten was entsorgt wird. Ob im Schuppen, im Waschhaus, auf dem Boden - überall stehen teils über 100 Jahre alte Schränke, Truhen oder Kommoden. Sie dienen als Werkzeugschrank oder beherbergen Sandspielzeug oder Weihnachtsdeko. Begonnen hat alles mit der Kommode, die ich zum Waschtisch umbauen wollte. Das Schwierigste war hierbei tatsächlich, sie die Bodentreppe herunter zu tragen.

Kommode

Ich habe sie abgeschliffen und gestrichen. Dann die Schubkästen etwas nachgearbeitet, damit sie wieder leichter zugehen.

Ein Waschbecken, das in Form und Größe passt, hatte ich auch gefunden. Nun musste noch der Ausschnitt aus der Kommode ausgesägt werden. Das Waschbecken passte genau hinein. Für die Anschlüsse war es notwendig, zwei der Schubkästen anzupassen und auch in die Rückwand musste eine entsprechende Öffnung gesägt werden.

kommode KastenKommode Loch

Handtuchhalter

Den Ausschnitt für das Waschbecken hatte mein Mann schon als Brennholz zur Seite gelegt. Aber als ich das Teil in die Hand nahm, sah ich sofort unseren neuen Handtuchhalter vor mir. Abgeschliffen, lichtgrau lackiert, vier passende Haken eingeschraubt und darüber die Glasablage aus unserem alten Bad. Einen passenderen Handtuchhalter hätte ich nicht finden können.